Mit Luther auf Zeitreise ins Mittelalter

Kinderkirchentag des Dekanates Ingelheim bot in Stadecken ein buntes Mitmach-Programm

2016 7 9 Jugend Kinderkirchentag ErzählandachtIm Jahr 2017 wird das 500. Reformationsjubiläum gefeiert und damit an den Thesenanschlag Martin Luthers anno 1517 erinnert. Der Kinderkirchentag des Evangelischen Dekanats Ingelheim griff schon mal auf dieses große Jubiläum vor. Bei der Veranstaltung in Stadecken-Elsheim drehte sich alles um den Reformator Martin Luther. „Luther lädt ein“ lautete das Motto des diesjährigen Kinderkirchentages, an dem über 50 Mädchen und Jungen aus dem ganzen Dekanat teilnahmen.

Den Auftakt bildete eine Erzählandacht in der Peterskirche, zu der Luther persönlich erschien. Genauer gesagt der Mainzer Gemeindepädagoge Rolf Figge, der in die Rolle des Reformators schlüpfte. Mittelalterlich gewandet, berichtete er aus Luthers Leben. Im Anschluss marschierten alle gemeinsam zur Selztalhalle. Michael Schulz und Thomas Blau vom Mittelalter-Ensemble „Bal-o-naise“ begleiteten die Gruppe mit Drehleier- und Dudelsackklängen.

Nachdem das Tor ins Mittelalter durchschritten war, wurde in der Selztalhalle getafelt – Seite an Seite mit Luther, der eine seiner legendären Tischreden hielt. Dabei erklärte er den Fünf- bis Zwölfjährigen unter anderem, warum er vor bald 500 Jahren seine 95 Thesen an die Tür der Schlosskirche zu Wittenberg geschlagen hat. „Zu meiner Zeit gab es einen echten Bösewicht, und der hieß Tetzel.“ Der Dominikanermönch habe mit dem Verkauf von Ablassbriefen ein gutes Geschäft gemacht und den Käufern im Gegenzug Nachlass auf ihre Sünden versprochen. „Ihr müsst euch gut überlegen, ob ihr diese Briefe braucht. Ich kaufe sie nicht“, warnte der neuzeitliche Luther.

Die Kinder indes mussten nicht lange überlegen. „Ich brauche sie nicht“, stellte ein Junge unmissverständlich fest. „Ich auch nicht“, stimmten die anderen Kinder ein. Und so hatte Johann Tetzel beim Markttreiben auf der angrenzenden Schulwiese auch keine guten Karten. Karin Becker, Pfarrerin aus Wackernheim, pries in der Rolle des Mönchs ihre Briefe wie Sauerbier an. Die Marktbesucher wollten ihre Goldstücke partout nicht in Tetzels Schatulle versenken, sondern stattdessen lieber andere Waren erwerben – wie frisch gebackenes Fladenbrot, Honig aus der Imkerei oder den erfrischenden Mittelaltertrunk, der eigens für das Markttreiben gemixt worden war.

2016 7 9 Jugend Kinderkirchentag ThesenanschlagRege in Anspruch genommen wurden die Mitmachangebote. Die Kinder konnten sich als Gaukler üben, Meeresungeheuer aus Filz herstellen, in eine Druckwerkstatt oder in eine Waffenschmiede hineinschnuppern. Und es gab sogar die Möglichkeit, beim „Stadecker Thesenanschlag“ Wunschzettel an eine Holztür zu nageln. Darauf schrieben die Kinder Anregungen wie „Die Kirche soll bunter werden“. Natürlich gab sich beim Markttreiben auch der Gastgeber wieder die Ehre: Im Erzählzelt berichtete Luther den Kindern aus seinem Leben.

Um dieses umfangreiche Programm auf die Beine zu stellen, waren beim Kinderkirchentag des Dekanats rund 40 Helferinnen und Helfer im Einsatz. Organisiert wurde die Veranstaltung von Volker Heuser, Paul Nicolay und Margarete Ruppert vom Dekanatsjugendbüro in Kooperation mit Jugendpfarrerin Petra Lohmann. „Wir haben Ende letzten Jahres mit der Termin- und Raumsuche angefangen“, berichteten die Organisatoren. „Anfang des Jahres haben wir dann mit der inhaltlichen Planung begonnen.“ Eine Menge Arbeit, die für den Kinderkirchentag geleistet wurde. Deshalb wird das Konzept für „Luther lädt ein“ auch nicht in der Schublade verschwinden, sondern im Reformationsjahr 2017 an der einen oder anderen Stelle wieder auftauchen.